Warum Klavierüben das Gehirn verändert
Die Wissenschaft spricht von
Neuroplastizität.
Dieser Begriff beschreibt die Fähigkeit unseres Gehirns, sich
durch Lernen ständig zu verändern und neue interne neuronale Verbindungen
aufzubauen. Besonders beim Musizieren wird diese Fähigkeit
intensiv genutzt, weil dabei viele komplexe Prozesse gleichzeitig
ablaufen.
Wie Lernen im Gehirn funktioniert
Wenn Jemand eine neue Bewegung am Klavier lernt, passiert im Gehirn zunächst etwas sehr Unscheinbares: Zwischen verschiedenen Nervenzellen entstehen neue Verbindungen.
Am Anfang sind diese Verbindungen noch schwach. Man kann sie sich vorstellen wie einen kleinen unwegsamen Pfad – jeder Schritt ist mühsam.
Doch jedes Mal, wenn man übt, wird dieser Pfad ein wenig sicherer und mit der Zeit entsteht daraus eine gut ausgebaute Straße.
Wenn Bewegungen häufig wiederholt werden, entsteht schließlich eine Art Autobahn im Gehirn. Dann können Signale besonders schnell und sicher zwischen Gehirn und Fingern übertragen werden.
Genau deshalb wirken erfahrene Pianisten oft so mühelos. Ihr Gehirn hat über viele Jahre hinweg stabile Netzwerke aufgebaut.
Musizieren trainiert viele Fähigkeiten gleichzeitig
Klavier spielen ist besonders anspruchsvoll für das Gehirn, weil viele Prozesse gleichzeitig ablaufen:
-
beide Hände müssen koordiniert werden
-
Rhythmus muss genau eingehalten werden
-
Noten müssen gelesen und umgesetzt werden
-
gleichzeitig wird der Klang kontrolliert
Beim Klavierspielen arbeiten daher viele Bereiche des Gehirns gleichzeitig zusammen. Forschende beschreiben Musizieren sogar als eine der komplexesten menschlichen Tätigkeiten, weil Wahrnehmung, Bewegung und Planung gleichzeitig gesteuert werden müssen.
Studien zeigen, dass regelmäßiges Musizieren unter anderem folgende Fähigkeiten fördern kann:
-
Konzentration
-
Gedächtnis
-
Feinmotorik
-
Koordination
-
kreatives Denken
Regelmäßiges Üben ist wichtig
Damit sich stabile neuronale Verbindungen bilden, braucht das Gehirn Wiederholung.
Ein einzelnes Üben reicht nicht aus. Erst durch regelmäßige Wiederholung über einen längeren Zeitraum werden die Verbindungen stabil.
Deshalb sind kurze tägliche Übungseinheiten oft effektiver als seltene lange Übungsphasen.
Das Gehirn liebt Kontinuität.
Klavierüben als langfristiges Gehirntraining
Wenn man Klavierlernen aus dieser Perspektive betrachtet, bekommt das Üben eine ganz neue Bedeutung.
Es ist nicht einfach die Hausaufgabe eines Lehrenden.
Es ist ein Training für das Gehirn, das Fähigkeiten entwickelt, die weit über die Musik hinausgehen.
Und genau deshalb lohnt sich jede einzelne Übungseinheit.
Interessante Hintergründe
Mein Beitrag zum Thema: "Klavierspiel im Alter" vom 08. August 2024:
https://www.cm-piano-music.com/l/klavierspiel-im-alter/
Wer mehr darüber erfahren
möchte, wie Feinmotorik und Gehirn zusammenarbeiten, findet hier
einen interessanten Artikel der Tagesschau mit weiterführenden
Links zu wissenschaftlichen Arbeiten:
https://www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/feinmotorik-gehirn-funktion-100.html
oder hier
speziell für jüngere
Klavierlernende und deren Eltern, gefällt mir sehr gut, habe ich auch schon bei Facebook verlinkt
https://www.youtube.com/watch?v=RoESjTZID2Y
Viel Spaß bei Lesen!
